Entscheidungshilfe: Standardsoftware vs. Individuallösung

Die Diskussion um Standardlösungen und Individuallösungen ist meist sehr heftig und wird selten neutral geführt. Softwareanbieter sehen ihre Lösung als vollumfassend und immer als die richtige Lösung an, reine Softwareentwicklungshäuser singen ausschließlich das hohe Lied der Individualisierung.

Wir als Prozess- und IT-Beratung sagen ganz klar: Beide Softwareformen haben ihre Existenzberechtigung und in vielen Fällen gibt es eine sinnvolle Standardlösung. Andererseits gibt es aber auch solch individuelle Anforderung, dass eine "übergestülpte" Standardlösung die Kosten nach oben und Nutzen nach unten treibt. Mit der folgenden Entscheidungsmatrix wollen wir ihnen eine Grundlage für ihre Entscheidung anbieten:

Es handelt sich um einen gesetzlichen oder normativ geregelten Standardprozesses, wie z.B. die Finanzbuchhaltung.
=> Entscheidung: Standardsoftware

Es handelt sich um einen Prozess, der in vielen anderen Unternehmen in der Branche sehr ähnlich abgewickelt wird, wie z.B. das Bestellwesen.
=> Entscheidung: Standardsoftware

Es handelt sich um einen Prozess, für den Standardlösungen mit einem großen Wissensvorsprung existieren, wie z.B. einer branchenspezifischer Personalabrechnung mit hoher Installationszahl.
=> Entscheidung: Standardsoftware

Es handelt sich um einen Prozess, für den sehr komplexe Standardlösungen mit einem hohen Anpassungsaufwand existieren, wie z.B. ein branchenunabhängiges ERP-System.
=> Entscheidung: Kosten Individuallösung vs. Lizenz- und Wartungskosten Standardlösung + Anpassungsaufwand + Einarbeitungsaufwand

Die Lizenz- und Wartungskosten für eine Standardlösung sind aufgrund der hohen Benutzeranzahl sehr hoch.
=> Entscheidung: Kosten Individuallösung vs. Lizenz- und Wartungskosten Standardlösung + Anpassungsaufwand + Einarbeitungsaufwand

Es handelt sich um einen Prozess, der sehr individuell ist und der in seiner Art ein Alleinstellungsmerkmal sichert.
=> Entscheidung: integrierte Individuallösung

Es handelt sich um einen Prozess, der bereits mit einer einfachen Individuallösung, wie z.B. einer Excel-Tabelle, funktioniert, aber den Ansprüchen nicht mehr genügt.
=> Entscheidung: integrierte Individuallösung

Die Anforderungen seitens des Kunden hinsichtlich der Umsetzungsgeschwindigkeit und Kosten sind durch eine Standardlösung nicht zu realisieren.
=> Entscheidung: integrierte Individuallösung

 

Die wichtigsten Punkte auf die ich achten muss, wenn ich eine Individuallösung beauftrage:

  1. Die Lösung muss integriert sein - eine Insellösung ist keine nachhaltige Lösung.
  2. Die technische Plattform muss in die bestehende Infrastruktur passen und sich nicht nach dem Anbieter richten.
  3. Ein fundiertes Pflichtenheft spart Entwicklungs- und Anpassungsaufwände und schont die Nerven aller Beteiligten. (Gilt übrigens auch für die Einführung von Standardlösungen.)
  4. Die technische Plattform sollte zukunftssicher sein.
  5. Es fallen zwar keine jährliche Software- und Wartungskosten an, aber die Benutzer fordern in der Regel eine stetige Weiterentwicklung der Lösung im begrenztem Umfang.
  6. Sie sollten sich in keine Abhängigkeit zum Anbieter begeben, d.h. lassen sie sich den Sourcecode aushändigen für den internen Gebrauch. Lizenzrechte verbleiben fast immer beim Anbieter.
  7. Achten Sie bei der Auswahl darauf, ob der Anbieter bereits Erfahrung in diesem Bereich hat. Die Wiederverwendung von Teilmodulen senkt die Kosten und erhöht die Qualität.